Neverending Nightmares: Düsteres Kunstwerk?

Wenn man sich einmal fernab des nach Explosionen süchtigenden Mainstreams umschaut, kann man so einige interessante Spielkonzepte finden. Neverending Nightmares ist so ein Fall. Inspiriert wurde das Gruselspiel von Lead Designer Matt Gilgenbachs Kampf mit seinen Depressionen und diesen Urpsrung merkt man den Titel an.

Gleich nach dem Start fällt sofort der einzigartige grafische Stil auf. Beinahe komplett ohne Farbe und mit skizzenhafter, einzigartiger Grafik kommt das Spiel nämlich daher. Diese Designentscheidung passt dabei wie die Faust aufs Auge, denn statt detailverliebtem Realismus herrscht hier Tristesse und eine gewisse Unruhe.

So kommt auch das Spiel daher. Anfangs wird man von einer Stimme zum Aufwachen aufgefordert und man befindet sich in dem Schlafzimmer des Protagonisten Thomas. Was genau geschehen ist oder wer man ist, ist in diesem Moment nebensächlich. Denn wichtiger ist das, was man dabei fühlt, während man den Ereignissen auf den Grund geht. Viel wird dabei der Interpretation überlassen, aber Gilgenbach gelingt auf großartige Weise, wie es sich anfühlt, verloren in seinen eigenen vier Wänden zu sein.

Wenn die Klänge bedrohlicher werden und selbst aus dem Controller unheilvolle Geräusche kommen und sich die virtuelle Realität immer mehr zu einem morbiden Albtraum verzerrt, zeigt Neverending Nightmares seine große Stärke: die Atmosphäre. Dabei schwingt es nicht nur den Zaunpfahl, sondern zeigt auch in zahlreichen kleinen Details, wie innerlich zerissen Thomas ist. Positiv ist zu erwähnen, dass das Spiel dabei auch ohne Jumpscares aufkommt und lieber auf eine bedrohliche Stimmung setzt. Grade bei diesem heiklen Thema kann man das dem Team nicht hoch genug anrechnen.

Während man durch die dunklen Gänge des Anwesens streift, taucht immer wieder eine schwarzhaarige Frau auf. Doch wer sie ist und weswegen sie solch einen prägenden Eindruck auf Thomas’ Seelenleben hinterlassen hat, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Denn das sollte man besser selbst herausfinden, wenn man sich durch diesen Albtraum begibt.

Glücklicherweise ist das Spiel auch sehr kurz – trotz verschiedener Enden. In locker 90 Minuten hat man einen Durchgang beendet. “Glücklicherweise” deshalb, da das Gameplay selbst arg limitiert ist und kaum Abwechslung bietet. Meist geht man lediglich durch diverse Räume, interagiert mit ein paar Objekten und weicht dunklen Gestalten aus. Bevor dies zu monoton wird, ist das Spiel aber dann auch vorbei – und lässt euch zurück mit euren Gedanken über das Erlebte.

Der Titel ist kein spielerisches Meisterwerk, bietet aber durch seine Erzählstruktur und interessante Thematik durchaus einiges positives. Wie es sich anfühlt, mit sich selbst zu kämpfen, wird fesselnd präsentiert und hinterlässt ein unwohliges Gefühl. Es ist dabei natürlich keine leichte Kost, aber jeder Spieler, der gerne tiefgründigere Werke ausprobiert, sollte einen Blick riskieren.

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