Okja: Riesensauerei oder Homerun?

Zugegeben, etwas verspätet stoße ich nun erst zur Party hinzu. Die meisten haben Okja wahrscheinlich bereits gesehen, denn selten startete ein Netflix-Film mit solch einem Hype im Rücken. Doch wird der Film den Vorschlussbeeren gerecht oder lässt mich die schweinische Freundschaft eher kalt?

Doch erst kurz zur Handlung: Der Film dreht sich um die Mirando Corporation, eine gigantische Firma, die ihr Image mit Fleisch von glücklichen Tierchen aufbessern will. Diese sind riesige Schweine und wurden als Babies zu 26 verschiedenen Bauern gebracht, wo sie aufwachsen, ein wunderbares Leben führen und schlussendlich, zehn jahre später, auf jedem Teller Amerikas landen sollen.

Einer dieser Bauern ist Mijas Großvater. Das Schwein kam zu der kleinen Familie, als Mija grade einmal vier Jahre alt war und freundete sich in Laufe der Jahre mit Okja, wie sie es taufte, an. Als Okja allerdings von Mirando zurückgeholt wird, will Mija dies nicht auf sich sitzen lassen und will ihren besten Freund natürlich zurückholen. Glücklicherweise ist sie bei diesem Unterfangen nicht allein und kann auf die Unterstützung der Animal Liberation Front hoffen, die von dem charismatischen Paul Dano angeführt wird.

Mehr will ich nicht verraten, aber Okja ist eine wunderbare Coming of Age-Story, die nicht nur gut unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Im Laufe der Spielzeit traut er sich immer wieder Kritik an Massentierhaltung anzubringen. Dies geschieht allerdings nicht mit einem übertrieben erhobenen Zeigefinger, keine Sorge. Das diese Rechnung aufgeht, liegt natürlich auch an den großartigen Darstellern, die Bong Joon-ho auserwählt hat.

Natürlich muss man Tilda Swinton – wie immer – positiv erwähnen, die eine herrliche Chefin der Firma abgibt, aber auch Jake Gyllenhaal als herrlich schräger und abgehalfterter Fernsehstar Dr. Johnny kann voll und ganz überzeugen. Doch getragen wird der Film von der noch jungen Ahn Seo-hyeon, die als Hauptdarstellerin brilliert und die Herzen der Zuschauer bereits nach wenigen Minuten gewonnen hat.

Mit diesem Film beweist Bong Joon-ho wieder einmal, das er zu den wohl interessanten Regisseuren derzeit gehört. Ohne zu argen Kitsch, sowie visuell verspielt und teils mit Witz, teils berührend erzählt er eine schöne Geschichte über Freundschaft, die den ein oder anderen vielleicht dazu anregt, den Fleischkonsum ein wenig zu reduzieren oder darauf zu achten, woher es kommt.

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